ROM Range of Motion - Schmerzfreie Bewegung
ROM Range of Motion - Schmerzfreie Bewegung

Was sind Fascien und warum sprechen alle darüber?

Wenn Sie zum Beispiel Putenfleisch einkaufen, dann haben Sie oft darin diese breitgefächerten weißen Sehnen. Das sind Fascien – ein stabiles Bindegewebe, dass zum großen Teil aus Collagen besteht und sich in komplexen Bahnen durch den ganzen Körper zieht: vertikal und auch diagonal. Das Fasciengewebe umgibt die Knochen, jeden kleinen Muskelstrang, komplette Muskeln und auch die inneren Organe. Durch seine kräftige Beschaffenheit leistet es einen Großteil der Arbeit, die für die Körperhaltung und Spannung im Bewegungsapparat nötig ist. Die meisten Fascienbahnen sind direkt oder indirekt miteinander verbunden – die längste Bahn führt vom Fuß über die Waden, Oberschenkel, über das Becken und den Rücken herauf über den Hinterkopf nach vorne bis zur Stirn.

Oberflächliche Frontallinie vordere Fascienlinie
Oberflächliche Rückenlinie hintere Fascienlinie
Laterallinie seitliche Fascienlinie

Wenn wir uns das gesamte Fasciengewebe im Körper wie ein großes Geflecht aus miteinander verbundenen Gummibändern vorstellen, dann wird schnell klar, dass diese Gummibänder uns bei fast allen Bewegungen durch ihre Elastizität und ihre Zugkraft unterstützen. Einfaches Treppensteigen wäre ohne die Spannung im Fascienapparat kaum bis gar nicht möglich. Das Ziehen an einem dieser Bänder verändert alle anderen Gummibänder in ihrer Spannung und so wird kraftsparende Bewegung möglich.

Fasciengewebe Fascien - wie ein Geflecht aus Gummibändern
Fascien in Bewegung Der Fascienapparat bietet eine kraftvolle Unterstützung für beinahe jede Bewegung

Ein dauerhafter „falscher“ Zug kann relativ schnell entstehen, indem zum Beispiel 2 Fascienschichten miteinander „verleben“. Dadurch geht die natürliche Elastizität, die wir in der Bewegung benötigen, verloren und Fehlhaltungen entstehen. Fascienverklebungen werden unter anderem begünstigt durch Bewegungsmangel,  einseitige Bewegungen, Verletzungen, und durch Stress im Bewegungsapparat. Wenn wir zum Beispiel auf harten Betonböden gehen, bekommen die Oberschenkelmuskeln bei jedem Schritt einen „Schlag“, der ihre Koordination und Kraftausübung erschwert – dadurch wird das Fasciengewebe aufgefordert, eine höhere Stützleistung zu erbringen. Um sich zu verstärken verklebt es - mit der Folge, dass der ganze Körper einer höheren Spannung ausgesetzt wird. Diese Spannung (dieser Zug) kann sich schmerzhaft auf die Statik des Fußes auswirken und ebenso auf Schulter und Nacken oder Lendenwirbel oder alles zusammen.

Eine Fascienbahn kann auch einen Zug auf den Bewegungsapparat ausüben, indem sie sich einfach verkürzt. Dies ist oft bei Menschen der Fall, die viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Eine leicht vorgebeugte und krumme Sitzhaltung (Schultern nach vorne) sorgt dafür, dass das Fasciengewebe vorne an der Brust völlig entspannt ist (veranschaulicht: die Gummibänder hängen lose herum). Da unser Körper sehr effizient mit seiner Energie haushaltet, registriert er schnell, dass es „überflüssiges“ Gewebe gibt. Also baut er die „überflüssigen“ Zellen ab, um sie nicht mehr mit Energie versorgen zu müssen. So verkürzen sich die Fascien an der Brust. Die Folge: der Kopf wird nach vorne gezogen, die Nackenmuskeln müssen gegensteuern und sind ständig auf Spannung, der Zug setzt sich über die Wirbelsäule nach unten fort bis zum Lendenwirbel mit einer erhöhten Belastung für die Bandscheiben und so weiter.

Fascien im Sitzen unnatürliche Körperhaltung
falsche Körperstatik durch Züge in den Fascien Folgen eines veränderten Fascienapparates

So: wenn wir uns also bewusst machen, wie wichtig der Fascienapparat für unsere Körperhaltung und für einen gesunden und effizienten Bewegungsablauf ist - warum macht er uns dann so viel Probleme?

Die Antwort ist ganz einfach: wenn wir uns so verhalten, wie die Natur es für uns vorgesehen hat, dann unterstützten uns die Gummibänder optimal und das bis ans Lebensende, denn Collagen erneuert sich immer wieder bis ins hohe Alter.

Das Bindegewebe ist jedoch so konzipiert, dass es sich dynamisch verändert und den aktuellen Lebenssituationen anpasst, um uns immer bestmöglich zu halten.

Speerwerfer Fascien im Sport

Beispiel Sport: Ein Speerwerfer holt sehr weit

aus und spannt die Fascienbahnen vom Fuß

nach oben bis zur Wurfhand maximal, um die Spannung der Gummibänder optimal für den Wurf zu nutzen. Je mehr er trainiert, umso

mehr werden sich die beanspruchten Fascien

auf diese Arbeit einstellen. Folge: Es kann

eine immer höhere Leistung erbracht werden.

 

Doch Achtung: Was für diese eine Bewegung positiv ist, kann sich für andere Alltagsarbeiten negativ auswirken

und sogar zu Fehlstatiken und Schmerzen führen.

 

Beispiel Unfall: Wenn wir uns einen Knochen brechen oder ein Gelenk verletzen, dann ist Ruhigstellung angesagt, um eine Heilung zu ermöglichen. Heute lösen wir das durch einen Gipsverband – das Fasciengewebe stellt ruhig, indem es sich verstärkt (und verklebt).

Diese von der Natur gut gemeinte Anpassungsfähigkeit des Halteapparates wirkt sich im Grunde nur dadurch negativ aus, dass wir nicht mehr den Alltag leben, für den unser Körper geschaffen wurde.

Zu wenig Bewegung, einseitige Bewegung, falsche Körperhaltung, Gehen auf harten und ebenen Untergründen und nicht zuletzt sicher auch oft der falsche „Tag- Nacht- Rhythmus“, unregelmäßige Erholungszeiten, falsche Ernährung und hohe psychische Belastungen im Beruf und sogar im Privatleben. Dies alles sorgt dafür, dass unser Fascienapparat sich so verändert, dass er ungewollte Spannungen erzeugt, die den Körper in Disbalance bringen: Schulter- und Beckenschiefstand, Fuß- und Beinfehlstellungen, Rundrücken, Hohlkreuz, Skoliose, etc. können entstehen oder sich verstärken. Der erhöhte Zug auf Gelenke und Bandscheiben kann Schmerzen und schnelleren Verschleiß verursachen. Schonhaltungen entstehen, die sich wiederum an anderen Stellen negativ auswirken.

Die gute Nachricht steht bereits weiter oben: Fascien regenerieren und erneuern sich bis ins hohe Alter. Es gibt schnell greifende Therapeutische Ansätze, um Verklebungen zu lösen und damit den Zug aus schmerzbetroffenen Gelenken und Bandscheiben zu nehmen. Wer dann nach einer guten Fascientherapie seine Bewegungsmuster im Alltag so verändert, dass die Verklebungen sich nachhaltig lösen und verkürzte Fascien sich wieder verlängern, der kann für lange Zeit schmerzfrei durchs Leben gehen oder sich zumindest über eine große Schmerzlinderung freuen.

Schauen Sie auch unter dem Reiter „Therapie und Nachhaltigkeit“

 

Wissensquellen

Literatur: „Anatomy Trains“ von Thomas W. Myers

Vorträge: Physio Training Academy (Markus Erhard)

kybun  (fascial performance)

 

Facien, Was sind Fascien, Fascien Funktion, Fascienapparat, Fascienverklebung, Fascienverkürzung, Bindegewebe

(max. 6 pro Jahr)

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